Balkonkraftwerk auf dem Nordbalkon — lohnt sich das noch?
Im hier betrachteten Bremer Referenzfall liefert ein senkrechtes Nordmodul rund 27 Prozent des Südwerts. Ob sich die Anlage trotzdem bezahlt macht, hängt unter anderem von Anschaffungskosten, Eigenverbrauch und Strompreis ab.
Auf dieser Seite
- SÜD, SENKRECHT
- 837kWh/kWp
- NORD, SENKRECHT
- 223kWh/kWp
- VERHÄLTNIS
- 27%
- STANDORT
- Bremen
1. Die Einstrahlung, nicht das Modul
Für den Bremer Referenzpunkt enthält unser PVGIS-Raster bei senkrechter Südausrichtung 837 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak im Jahr, nach Norden 223. Das sind rund 27 Prozent. Diese modellierten Modulerträge beruhen auf SARAH3-Wetterdaten von 2005 bis 2023 und PVGIS loss=0; unsere zusätzlichen Wechselrichter-, Verschattungs- und sonstigen Verluste sind darin noch nicht abgezogen. Es sind keine Messwerte eines konkreten Balkons.
Auch eine Nordfläche kann Solarstrom erzeugen: Neben direkter Strahlung trägt diffuse und reflektierte Strahlung zum Ertrag bei. Der genaue Anteil hängt von Standort, Wetter, Neigung und Umgebung ab. Aus einem pauschalen Diffuslichtanteil lässt sich der Bremer Ertragsquotient nicht ableiten.
Einstrahlungsdaten werden geladen.
Der eingebettete Vergleich zeigt Nord und Süd bei 90° Neigung und leichter Verschattung. Der folgende Amortisationsvergleich verwendet dagegen Südwest als Ausgangsfall.
Vollen Ertragsrechner öffnen →2.000 Wp sind keine pauschale Freigabe für die Haushaltssteckdose. Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95:2025-12 unterscheidet laut VDE bei Geräten ohne Speicher zwischen höchstens 960 Wp mit Haushaltsstecker und 2.000 Wp mit spezieller Energiesteckvorrichtung. Auch darunter sind Schutzmaßnahmen und Herstellervorgaben einzuhalten. Geräte mit Speicher fallen nicht in den Anwendungsbereich dieser Produktnorm; deren Anschluss ist gesondert zu prüfen. VDE-Erläuterung zur Produktnorm
Warum Ertrag nicht gleich Ersparnis ist
Solarertrag ist nicht gleich Ersparnis
2. Was das für die Amortisation heißt
Beispiel Bremen: 860 Wp, 800 W Wechselrichter, 90° Neigung, leichte Verschattung, Standard-Modellprofil, 2.400 kWh Jahresverbrauch, 37 ct/kWh, 649 Euro Anschaffung und kein Speicher. Nach Südwest ergibt unser Modell 516 kWh Jahresertrag und 5,3 Jahre statische Amortisation; nach Norden 153 kWh und 13,8 Jahre. Die statische Rechnung hält die Ersparnis des ersten Jahres konstant und enthält weder Reparaturen noch Finanzierung oder Abzinsung.
Im Beispiel dauert es nach Norden deutlich länger, bis die rechnerischen Einsparungen die Anschaffung decken. Eine bestimmte Lebensdauer oder Rückzahlung ist damit nicht zugesagt.
3. Wann es trotzdem sinnvoll ist
Eine andere Ausrichtung, ein niedrigerer Gesamtpreis oder höherer Eigenverbrauch können das Ergebnis verbessern. Vergleiche diese Varianten mit ihren tatsächlichen Kosten. Weniger Netzbezug ist außerdem nicht dasselbe wie Notstromversorgung: Ob ein System bei Stromausfall nutzbar ist, ist eine separate Produkteigenschaft.
- Nordost und Nordwest sind eigene Ausrichtungen. Ihre Erträge sind nicht zwangsläufig gleich; vergleiche sie getrennt für deinen Standort.
- Eine andere Neigung verändert die Einstrahlung. Bauliche Verschattung und die sichere Befestigung müssen zusätzlich geprüft werden.
- Bifaziale Zusatzgewinne werden in diesem Rechner nicht modelliert; eine helle Wand begründet keinen pauschalen Mehrertrag.
- Verschattung, Eigenverbrauch und Abregelung beruhen auf vereinfachten Modellannahmen. Eine belastbare prozentuale Gesamtfehlergrenze ist dafür nicht validiert. Der regionale PVGIS-Vergleich ersetzt keine standortgenaue Ertragsprognose.
4. Was wir davon halten
Ein Nordbalkon schließt Einsparungen nicht aus. Unser Beispiel ergibt eine längere, aber endliche statische Amortisationszeit. Ob die realen Einsparungen die gesamten Kosten während der Nutzungsdauer übersteigen, bleibt von den konkreten Bedingungen abhängig. Vergleiche mögliche Montageorte mit denselben Preis- und Verbrauchsannahmen.