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Rechnet sich das? · Folge 03

Wärmepumpe im Altbau: die vier Zahlen, die entscheiden

Philipp ZimmermannTextstand 02.09.2026ca. 9 Minuten TextZahlenprüfung 02.09.2026

Drei Angebote, drei Versprechen, keine Rechnung. Wer wissen will, ob eine Wärmepumpe im Altbau trägt, braucht vier Werte — und für keinen davon muss man auf einen Verkäufer warten.

Auf dieser Seite
HEIZLAST
8,4kW
VORLAUF
55°C
JAZ
3,1
FÖRDERUNG
46%

1. Die Heizlast, nicht die Wohnfläche

Angebote rechnen gern mit Quadratmetern und einem Pauschalwert je Quadratmeter. Belastbarer ist der Verbrauch der letzten drei Jahre. Wer 22.000 Kilowattstunden Gas einfach durch 1.950 Vollbenutzungsstunden teilt, landet bei 11,3 Kilowatt — rechnet dabei aber den Kesselverlust und das Warmwasser mit, und beides gehört nicht in die Heizlast. Mit 85 Prozent Jahresnutzungsgrad und 12 Prozent Warmwasseranteil bleiben 8,4 Kilowatt. Das ist die Zahl, gegen die ein Angebot zu prüfen ist — eine 16-Kilowatt-Pumpe wäre hier grob überdimensioniert.

Das ist eine Schätzung, keine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie taugt dazu, ein Angebot einzuordnen. Für die Auslegung ist der Fachbetrieb zuständig — und wer im Angebot keine Heizlastberechnung findet, sollte danach fragen.

Wer im Angebot keine Heizlastberechnung findet, hat kein Angebot, sondern eine Preisliste.

2. Die Vorlauftemperatur entscheidet über die JAZ

Die Jahresarbeitszahl beschreibt das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein Jahr. Eine einzelne Vorlauftemperatur reicht nicht aus, um sie für eine reale Anlage vorherzusagen. Die JAZ aus der Vorlauftemperatur ist eine eigene vereinfachte Modellannahme, keine Fraunhofer-Messkurve. Klima, Warmwasser, Hydraulik und Regelung werden nicht einzeln modelliert. Eine bekannte JAZ kann unter den weiteren Annahmen eingetragen werden.

Fraunhofer ISE berichtet für 49 Luft/Wasser-Anlagen im Auswertejahr 2024 eine JAZ von 2,6 bis 4,9, im Mittel 3,4. Diese Stichprobe belegt keine feste Zuordnung zur Vorlauftemperatur. Ein COP beschreibt dagegen einen bestimmten Betriebspunkt und ist nicht mit einer Jahresarbeitszahl gleichzusetzen.

Rechner im Artikel · Wärmepumpen-Check
Modellstand 09/2026
Gasheizung, Betriebskosten2.625 €/Jahr
Wärmepumpe, JAZ 3,11.629 €/Jahr

996 € Ersparnis im Jahr. Mit 46 % Förderung amortisiert der Aufpreis in 7,1 Jahren.

Zieh die Vorlauftemperatur von 55 auf 45 Grad und sieh, was mit den Betriebskosten passiert.

Vollen Wärmepumpen-Check öffnen →

3. Betriebskosten: der Vergleich, der zählt

22.000 Kilowattstunden Gas kosten bei 11,93 Cent 2.625 Euro im Jahr. Dieselbe Wärme mit einer Jahresarbeitszahl von 3,1 braucht 6.030 Kilowattstunden Strom; zu einem Wärmepumpentarif von 27 Cent sind das 1.629 Euro. Die Differenz von 996 Euro im Jahr ist der Betrag, an dem sich alles Weitere misst.

Wichtig ist der Wärmepumpentarif, nicht der Haushaltstarif. Wer die Wärmepumpe über § 14a EnWG steuerbar anmeldet, bekommt ein reduziertes Netzentgelt — das macht mehrere Cent je Kilowattstunde aus und entscheidet die Rechnung mit.

4. Die Förderung — und wogegen man rechnet

30 Prozent Grundförderung bekommt jeder, dessen neue Heizung mindestens 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien deckt. 16 Prozent kommen dazu, wenn eine funktionsfähige Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder eine mindestens zwanzig Jahre alte Gasheizung ersetzt wird und die Wohnung selbst genutzt wird. Bis zu 40 weitere Prozentpunkte gibt es einkommensabhängig; der Deckel liegt bei 80 Prozent und bei 28.000 Euro förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit.

Die Vergleichsbasis muss zur Entscheidung passen. Unser Beispiel zieht von 32.000 Euro Investition eine modellierte Förderung von 12.880 Euro ab. Gegenüber 12.000 Euro für eine neue Gasheizung bleiben 7.120 Euro Aufpreis. Geteilt durch 996 Euro jährliche Energieersparnis gegenüber der Altanlage ergeben sich 7,1 Jahre. Das vermischt zwei Vergleichsbasen: Die Energiekosten der neuen Gasheizung werden nicht modelliert; Wartung und Finanzierung fehlen ebenfalls. Es ist deshalb kein vollständiger Wirtschaftlichkeitsvergleich zweier neuer Heizungen.

5. Was offen bleibt

  • Die Heizlast aus dem Verbrauch zu schätzen hat rund ±20 Prozent Unschärfe.
  • Die Jahresarbeitszahl streut auch bei gleicher Vorlauftemperatur — Hydraulik und Regelung entscheiden mit.
  • Wie sich Strom- und Gaspreis zueinander entwickeln, weiß niemand. Das entscheidet die zweite Hälfte der Laufzeit.
  • Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich. Wer wartet, bekommt weniger.
Rechtsstand 02.09.2026 · Förderstände geprüft am 21.07.2026keine Energieberatung im Sinne der BEG