Wärmepumpen-Check: Wärmepumpe oder Gasheizung?

Ob eine Wärmepumpe im Bestand trägt, entscheiden vier Zahlen: der Wärmebedarf, die nötige Vorlauftemperatur, die daraus folgende Jahresarbeitszahl und der Fördersatz. Wohnfläche und Baujahr sagen darüber wenig — der Verbrauch der letzten Jahre sagt alles.

So rechnet dieser Rechner

Heizlast = Q_Brennstoff × η_Kessel × (1 − Warmwasseranteil) ⁄ t_Vollbenutzung Stromkosten = Q_Wärme ⁄ JAZ × p_WP-Tarif

Aus dem Brennstoffverbrauch wird über den Jahresnutzungsgrad des alten Kessels (85 %) der tatsächliche Wärmebedarf. Geteilt durch 1.950 Vollbenutzungsstunden ergibt das eine Schätzung der Heizlast — eine Schätzung, keine Berechnung nach DIN EN 12831.

Die Jahresarbeitszahl leiten wir aus der Vorlauftemperatur ab. Stützstellen sind die Feldmessungen des Fraunhofer ISE: im Mittel 3,4 für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand, mit einer Spanne von 2,5 bis 3,8. Zwischen den Stützstellen sind es rund 2 Prozent je Kelvin — jedes Grad weniger Vorlauf zählt.

Der Fördersatz folgt der KfW-Systematik: 30 % Grundförderung, 16 % Klimageschwindigkeitsbonus bei Austausch einer funktionsfähigen Altanlage, dazu der Einkommensbonus. Gedeckelt bei 80 % und bei 28.000 € förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit.

Verglichen wird nicht gegen „nichts tun“, sondern gegen eine neue Gasheizung. Nur die Differenz muss sich rechnen — die alte Anlage wird ohnehin irgendwann ersetzt.

Welche Unsicherheiten bleiben

  • ±20 %Die Heizlast aus dem Verbrauch zu schätzen ersetzt keine Heizlastberechnung.
  • ±0,5Die JAZ streut auch bei gleicher Vorlauftemperatur — Hydraulik und Regelung entscheiden mit.
  • TarifWärmepumpentarife unterscheiden sich stark. Trag deinen eigenen ein.
  • StandFördersätze ändern sich. Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich.
  • offenWie sich Strom- und Gaspreis zueinander entwickeln. Das entscheidet über die zweite Hälfte der Laufzeit.
Nachgerechnet

22.000 kWh Gas, 55 °C Vorlauf, 32.000 € Investition, funktionsfähige Altanlage: 8,4 kW Heizlast, JAZ 3,1, rund 6.030 kWh Strom im Jahr. Gas kostet 2.625 €, die Wärmepumpe 1.629 € — das sind 996 € Ersparnis. Mit 46 % Förderung auf höchstens 28.000 € bleiben 19.120 € Investition; gegenüber 12.000 € für eine neue Gasheizung ist der Aufpreis von 7.120 € nach 7,1 Jahren wieder drin.

Häufige Fragen

Ab welcher Vorlauftemperatur wird es kritisch?
Es gibt keine harte Grenze, aber ab etwa 60 °C fällt die Jahresarbeitszahl unter 2,8, und dann wird der Betrieb gegenüber Gas schnell teuer. Der günstigste Hebel im Altbau ist selten die größere Pumpe, sondern zwei getauschte Heizkörper und ein hydraulischer Abgleich — beides senkt den nötigen Vorlauf.
Was ist die Jahresarbeitszahl und warum nicht der COP?
Der COP ist ein Prüfstandswert bei einer festen Temperaturkombination. Die Jahresarbeitszahl ist das, was über ein ganzes Jahr im echten Haus herauskommt — inklusive kalter Tage, Abtauzyklen und Warmwasser. Sie liegt deutlich unter dem Prospekt-COP. Dieser Rechner arbeitet nur mit Feldwerten.
Wie hoch ist die Förderung wirklich?
Basis sind 30 %. Wer eine funktionsfähige alte Heizung austauscht und selbst darin wohnt, kommt auf 46 %. Mit dem Einkommensbonus sind bis zu 80 % möglich. Gerechnet wird immer auf höchstens 28.000 € förderfähige Kosten für die erste Wohneinheit — bei einer 32.000-€-Anlage werden also 4.000 € nicht mitgefördert.
Ersetzt das eine Energieberatung?
Nein. Das hier ist eine Modellrechnung mit offengelegten Annahmen, keine Energieberatung im Sinne der BEG-Richtlinien und keine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Sie taugt dazu, ein Angebot einzuordnen und die richtigen Fragen zu stellen. Die Auslegung gehört zum Fachbetrieb.
Quellen

Nächster Schritt

Passt dazu

Heizlast aus dem Verbrauch geschätzt — ersetzt keine Berechnung nach DIN EN 12831.

Modellstand 09/2026 · Datenquelle PVGIS/EU-Kommission · zuletzt geprüft am 02.09.2026keine Kaufberatung