Dynamischer Stromtarif ohne Wärmepumpe und E-Auto — lohnt sich das?
Die kurze Antwort: ja, in einem Jahr wie 2025 — und zwar auch ohne Wärmepumpe, E-Auto oder Speicher. Die lange Antwort dreht die Frage um. Nicht die verschiebbare Last entscheidet, sondern dein heutiger Festpreis. Und was in einem Krisenjahr passiert, entscheidet keiner von beiden.
1. Die Behauptung, die überall steht
Wer nach dynamischen Stromtarifen sucht, findet in jedem zweiten Text denselben Satz: Sie lohnten sich nur, wenn man Verbrauch verschieben kann — Wärmepumpe, E-Auto, Hausspeicher. Wer abends kocht und morgens duscht, solle die Finger davonlassen.
Der Satz klingt plausibel, und er stimmt in einem Punkt: Wer verschieben kann, zahlt weniger. Aber er beantwortet die falsche Frage. Wichtig ist nicht, ob man mit Verschiebung besser fährt als ohne — sondern ob man ohne Verschiebung besser fährt als mit dem heutigen Festpreis. Das ist eine andere Rechnung, und sie fällt anders aus.
2. Der Kipppunkt: ab welchem Festpreis es sich dreht
Wir haben einen Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch über alle 8.760 Stunden des Börsenjahres 2025 gerechnet — mit einem stündlichen Lastprofil, das abends seine Spitze hat, so wie ein Haushalt eben verbraucht. Dazu 1,5 Cent Anbieteraufschlag, 14 Cent Netzentgelte und Abgaben, Umsatzsteuer, 120 Euro Grundpreis und 20 Euro für das intelligente Messsystem. Gesucht war der Festpreis, bei dem beide Tarife gleich teuer sind.
Zwischen „nichts verschiebbar“ und „Wärmepumpe, E-Auto und Speicher zusammen“ liegen 2,8 Cent je Kilowattstunde. Das ist nicht nichts, aber es ist auch nicht der Unterschied zwischen lohnt sich und lohnt sich nicht. Beide Kipppunkte liegen unter 31 Cent — und der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt bei 37.
Die verschiebbare Last verschiebt den Kipppunkt um knapp drei Cent. Ob du über oder unter ihm liegst, entscheidet dein heutiger Vertrag.
Konkret: Bei 37 Cent Festpreis und 3.500 Kilowattstunden hätte ein dynamischer Tarif 2025 rund 236 Euro weniger gekostet — ohne jede Verschiebung. Wer alles verschieben kann, kommt auf 334 Euro. Der Unterschied zwischen beiden ist kleiner als der Unterschied zum Festpreis.
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Trag deinen heutigen Arbeitspreis ein und stell die Verschiebung auf „nichts verschiebbar“. Dann sieh, was passiert, wenn du sie hochstellst.
Vollen Ertragsrechner öffnen →3. Was Verschieben wirklich bringt
Der Nutzen des Verschiebens steckt an einer anderen Stelle, als die Werbung suggeriert. Anbieter werben mit dem Jahresmittel der Börsenpreise — 2025 waren das 8,93 Cent je Kilowattstunde. Bezahlt wird aber nicht das Mittel, sondern der mit dem eigenen Verbrauch gewichtete Preis. Und der lag bei 9,45 Cent, weil ein Haushalt dann Strom braucht, wenn er teuer ist.
Diese Differenz von 0,52 Cent ist der Profilaufschlag. Wer verschieben kann, dreht ihn um: Mit Wärmepumpe, E-Auto und Speicher zusammen sinkt der gewichtete Preis auf 7,10 Cent — 1,83 Cent unter dem Mittel. Der Anteil des Verbrauchs, der in Stunden mit negativem Börsenpreis fällt, steigt dabei von 6,6 auf 13,6 Prozent.
Das ist der ehrliche Nutzen: Verschieben verwandelt einen Aufschlag in einen Abschlag. Es entscheidet aber nicht darüber, ob sich der Tarif überhaupt trägt.
4. Und wenn die Preise wieder steigen?
Hier wird es unangenehm, und hier steht die Antwort, die in den meisten Texten fehlt. Wir haben dieselbe Rechnung mit den Börsenpreisen des Jahres 2022 gemacht. Das Jahresmittel lag damals bei 23,54 Cent je Kilowattstunde statt bei 8,93 — in der Spitze bei 87 Cent in einer einzelnen Stunde.
Mit den Preisen von 2022 hätte derselbe Haushalt 371 Euro mehr gezahlt als mit einem Festpreis von 37 Cent. Und jetzt der Teil, der die gängige Empfehlung endgültig auf den Kopf stellt: Selbst wer alles verschieben konnte — Wärmepumpe, E-Auto und Speicher zusammen — lag noch bei 209 Euro Mehrkosten. Die verschiebbare Last hat den Verlust gedämpft, aber nicht verhindert.
Verschieben hilft gegen den Profilaufschlag. Gegen eine Preiskrise hilft es nicht.
5. Die Frage, die du dir wirklich stellen musst
Ein dynamischer Tarif ist kein Sparprodukt für Technikbesitzer, sondern ein Tausch: Du gibst die Preisgarantie auf und bekommst dafür den Einkaufspreis. In ruhigen Jahren ist dieser Tausch gut, in unruhigen teuer. Ob du eine Wärmepumpe hast, ändert daran wenig.
- Liegt dein heutiger Arbeitspreis über 31 Cent, war ein dynamischer Tarif 2025 günstiger — auch ohne verschiebbare Last.
- Verschiebbarer Verbrauch senkt den Kipppunkt um knapp drei Cent und verwandelt den Profilaufschlag in einen Vorteil.
- In einem Jahr wie 2022 wäre der Tarif für jeden teuer geworden, mit und ohne Wärmepumpe.
- Der Wechsel setzt ein intelligentes Messsystem voraus. Ohne Einbau gibt es keinen dynamischen Tarif.
- Ein Festpreis ist eine Versicherung. Wer sie aufgibt, sollte die Schwankung tragen können — nicht nur rechnerisch, sondern auch auf dem Konto.
Wer diese Rechnung für den eigenen Haushalt sehen will, trägt seinen Arbeitspreis in den Rechner ein. Er zeigt den Kipppunkt für den eigenen Verbrauch — und sagt es auch, wenn das Ergebnis gegen den Wechsel spricht.