Dynamischer Stromtarif: Rechnet sich Börsenstrom für dich?

Ein dynamischer Stromtarif rechnet stundenweise mit dem Börsenpreis ab, statt einen festen Arbeitspreis zu berechnen. Ob sich das lohnt, hängt weniger am Durchschnittspreis als daran, wann du verbrauchst — und wie viel davon du verschieben kannst.

So rechnet dieser Rechner

Kosten = Σ Stunden ( Verbrauch_h × ( Börsenpreis_h + Aufschlag + Netz und Abgaben ) ) × 1,19 + Grundpreis + Messstellenbetrieb

Grundlage sind 8.760 echte Stundenpreise der Gebotszone DE-LU aus dem vergangenen Jahr, veröffentlicht von der Bundesnetzagentur über SMARD und bezogen über Energy-Charts des Fraunhofer ISE. Der Datensatz wird zur Build-Zeit geholt und mit ausgeliefert — zur Laufzeit fragt die Seite keine Börsendaten ab.

Über diese Stunden wird ein Haushaltslastprofil gelegt: Nachttal, Morgenspitze, gedämpfter Tag, ausgeprägte Abendspitze, im Winter insgesamt höher. Am Wochenende flacher und später. Diese Form ist modelliert, nicht gemessen — und sie entscheidet mit über das Ergebnis.

Der wichtigste Wert steht deshalb getrennt: der Profilaufschlag. Er ist die Differenz zwischen dem einfachen Mittel aller Stunden und dem Mittel, das mit deinem Verbrauch gewichtet ist. Weil Haushalte gerade dann viel brauchen, wenn Strom teuer ist, liegt der gewichtete Preis ohne Verschieben über dem einfachen. Wer mit dem einfachen Mittel wirbt, rechnet den Tarif schön.

Verschieben modellieren wir tagesweise: Ein Anteil des Verbrauchs wird aus allen Stunden gleichmäßig herausgenommen und auf die sechs günstigsten Stunden desselben Tages verteilt. Bewusst nur innerhalb eines Tages — für längere Zeiträume bräuchte es einen Speicher, den kein Haushalt hat.

Verglichen wird gegen deinen heutigen Tarif zum Arbeitspreis, den du einträgst. Der Aufpreis für das intelligente Messsystem steht auf der Seite des dynamischen Tarifs, weil er ohne ihn nicht zu haben ist.

Welche Unsicherheiten bleiben

  • ProfilDas Lastprofil ist modelliert. Wer viel tagsüber zu Hause ist oder nachts arbeitet, weicht deutlich ab.
  • VorjahrGerechnet wird mit den Preisen des vergangenen Jahres. Das nächste sieht anders aus — die Rechnung ist ein Rückblick, keine Prognose.
  • ±3 ctNetzentgelte und Umlagen unterscheiden sich regional erheblich. Der Startwert ist ein grober Mittelwert.
  • iMSysOhne intelligentes Messsystem gibt es keinen dynamischen Tarif. Einbau und Kosten hängen am Messstellenbetreiber.
  • RisikoEin Festpreis kauft Planbarkeit. Ein dynamischer Tarif überträgt das Preisrisiko auf dich — in einem Winter mit langer Dunkelflaute schlägt das durch.
  • 6 Std.Dass sich Verbrauch in genau sechs günstige Stunden je Tag schieben lässt, ist gesetzt. Ein Auto, das nur zweimal die Woche lädt, verhält sich anders.
Nachgerechnet

3.500 kWh, nichts verschiebbar, heutiger Arbeitspreis 37 ct/kWh: Das einfache Mittel der Börsenpreise lag 2025 bei 8,93 ct/kWh, mit dem Haushaltsprofil gewichtet aber bei 9,45 — ein Profilaufschlag von 0,52 ct. Der dynamische Tarif hätte 1.179 € gekostet, der Festpreistarif 1.415 €. Bleiben 236 € Ersparnis. Bei einem Festpreis von 30 ct/kWh kippt dieselbe Rechnung ins Minus.

Häufige Fragen

Für wen lohnt sich ein dynamischer Stromtarif?
Für Haushalte, die Verbrauch verschieben können — E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher — und die einen vergleichsweise teuren Festpreis zahlen. Wer nichts verschieben kann, zahlt den Börsenpreis genau dann, wenn er am höchsten ist, und spart bei einem günstigen Festpreis nichts. Trag deinen tatsächlichen Arbeitspreis ein, dann siehst du deine eigene Schwelle.
Was ist der Profilaufschlag?
Die Differenz zwischen dem Durchschnitt aller Börsenstunden und dem Durchschnitt, der mit deinem Verbrauch gewichtet ist. Ein Haushalt verbraucht morgens und abends überdurchschnittlich viel — also genau dann, wenn Strom teuer ist. 2025 lag dieser Aufschlag bei einem Standardprofil bei gut einem halben Cent je Kilowattstunde. Wer verschieben kann, dreht ihn ins Negative.
Brauche ich einen Smart Meter?
Ja. Ein dynamischer Tarif setzt ein intelligentes Messsystem voraus, weil stundengenau abgerechnet wird. Der Einbau läuft über den Messstellenbetreiber und kostet laufend mehr als ein herkömmlicher Zähler. Dieser Aufpreis steht im Rechner auf der Seite des dynamischen Tarifs — er gehört zur Wahrheit dazu.
Was passiert bei einer Dunkelflaute?
Dann steigen die Börsenpreise stark, und ein dynamischer Tarif gibt das ungebremst weiter. 2025 lag die teuerste Stunde bei 583 €/MWh, also 58 ct je Kilowattstunde allein für die Beschaffung. Ein Festpreis kauft Ihnen genau dieses Risiko ab. Wer knapp kalkuliert oder Schwankungen nicht verträgt, sollte das mitrechnen.
Bekomme ich bei negativen Preisen Geld zurück?
In der Beschaffung ja — 2025 waren 573 Stunden negativ, also 6,5 % des Jahres. Netzentgelte, Umlagen und Steuern fallen aber weiter an, und die machen den größeren Teil des Arbeitspreises aus. Unter dem Strich wird der Strom in solchen Stunden sehr günstig, verschenkt wird er nicht.
Quellen

Nächster Schritt

Passt dazu

Echte Börsenstundenpreise des Vorjahres, Lastprofil modelliert statt gemessen.

Modellstand 09/2026 · Datenquelle PVGIS/EU-Kommission · zuletzt geprüft am 02.09.2026keine Kaufberatung